Corona schreibt Geschichte

2019 sind wir sehr viel unterwegs gewesen. Ich hatte das Gefühl nur in München zu sein um zu arbeiten. An den Wochenenden, in den Ferien und an Brückentagen waren wir fast immer weg. Es war zwar unser 2. Zuhause in Österreich oder das 2. Zuhause, die Maggy, dennoch, es war nicht der Ort an dem die Kinder zur Schule gehen und wir unseren „normalen“ Alltag verbringen. Jeder Ausflug, jede Reise für sich, war toll und wir haben viel erlebt. Das Gefühl etwas zu vermissen blieb. Schlicht und einfach mal zuhause zu bleiben, zu grillen, Freunde zu treffen, die vielen Angebote in München zu nutzen oder in den Starnberger See zu springen. Durchzuatmen und nichts zu planen.

Für 2020 haben wir schonmal keine Fähre gebucht und vorgenommen uns nicht festzulegen. Wir wollen dieses Jahr spontan sein, vielleicht an Pfingsten nach Frankreich, ansonsten sind wir offen für alles was uns das Schicksal beschert. Im Januar haben die Kinder dann das Angebot bekommen, mit einer Freundin über die Sommerferien nach Kolumbien zu fliegen, zwei Wochen dort in die Schule zu gehen, um die Spanisch-Kenntnisse aufzubessern, dann noch eine Woche Urlaub am Stand. Eine tolle Chance für die Beiden, die Flüge sind gebucht. Für uns die Möglichkeit, mal wieder zu zweit zu reisen oder einfach in München zu bleiben. Kurz drauf kam die Idee von Freunden, gemeinsam einfach mal durch Deutschland zu tingeln, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin – wie gesagt, wir sind zu jeder Schandtat bereit.

Parallel zu unseren Reisegedanken entwickelte sich im Januar in China der Coronavirus zu einer Epidemie. Am 30. Januar wurde von der WHO die internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen. Im Februar hatte das Virus dann Italien im Griff, seit dem ist auch uns Europäern bewusst, mit einer Situation klarzukommen zu müssen, die wir nicht begreifen können und noch nie erlebt haben. Am Anfang gab es noch wilde Tagträume. Wenn die Schulen geschlossen werden – einfach für ein paar Monate abhauen – den Schulstoff und die Arbeit mitnehmen, frei bewegen, am Besten an einen einsamen Strand wo keine Menschen sind, keine Ansteckungsgefahr.

Am 20. März haben wir bereits eine Woche home-school hinter uns, der Gedanke wegzufahren war ganz schnell vom Tisch und wir können dankbar sein, wenn wir bis zu den Sommerferien in ein anderes Land fahren dürfen. Die europäischen Landesgrenzen sind geschlossen, teilweise wurden Quarantänemaßnahmen für Städte und Länder beschlossen. Tags drauf, die Ausgangsperre, auch hier in Bayern. Leider begreifen viele Menschen nicht, wie leicht sich das Coronavirus überträgt. Einen Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten fällt vielen schwer und zu begreifen, dass man nur zum Einkaufen oder Arbeiten aus dem Haus geht, auch. Spazieren gehen, Rad fahren oder joggen darf man im engen Familiekreis (Eltern/Kinder), mit dem Partner oder alleine. Ein Picknick mit allen Kumpels an der Isar oder Corona-Partys veranstalten ist dagegen eine Provokation für die ganze Gesellschaft. Nicht ohne Grund wurden weitere Einschränkungen beschlossen.

Als ich dachte, wir lassen das Schicksal entscheiden wo die Reise 2020 hingehen soll und dass ich so gerne mal wieder im eigenen Garten sein möchte, war mir nicht bewusst, dass es eine Vorsehung sein würde.

An dieser Stelle möchte ich gerne in die Zukunft schauen, die Anregung habe ich aus einem interessanten Artikel „Die Welt nach Corona“. Dort wird aus der Zukunft auf die jetzige Zeit und die mögliche Entwicklung geschaut. Wenn wir das aus der Sicht des Reise-Planenden betrachten, würde ich mal meine Vision wagen. Mathias Horx beschreibt in seinem Artikel die RE-Gnose, im Vergleich zur PRO-Gnose, dabei schaut man nicht in die Zukunft, sondern von der Zukunft in die Gegenwart.

Stellen wir uns die Reisewelten 2021 vor

Es ist Februar 2021, die Wintersaison sollte eigentlich gerade auf Hochtouren laufen. Man steht kaum am Lift an, viele Skibegeisterte verzichten auf den teuren Wintersport, weil die Urlaubskasse leer ist. Statt dessen werden lange Winterspaziergänge unternommen und Langlaufen erlebt ein Revival, Skitouren sind beliebter denn je. Verführerische Angebote von Fernreisen in Ferienparadiese im Frühjahr und über die Osterferien werden links liegen gelassen. Man möchte gerne weit weg, aber die Ersparnisse für die gebuchte Traumreise im Corona-Jahr, sind leider nicht erstattet worden. Der Plan, dass der Flug und das Hotel storniert und dadurch erstattet wird, ging leider nicht auf.

Ein Kurztrip nach Venedig ist aber drin und man stellt fest, dass die Lagunenstadt zwar gut besucht ist, das Wasser aber klarer geworden und ein Wandel stattgefunden hat. Mehr Flair, mehr Ruhe, die vielen billigen China-Souvenir-Shops sind weniger geworden und der Massen-Tourismus aus aller Welt, ist geschrumpft. Wagen wir einen Blick auf die Strandbars und Imbiss-Buden an der Costa Brava, Adria und Riviera. einige davon sehen aus wie Ruinen, sie haben die Saison 2020 nicht überstanden. Viele Einheimische sind in Ihren Heimatorten im Landesinneren geblieben. Die Familien sind näher zusammengerückt und helfen sich gegenseitig von den wirtschaftlichen Schäden zu erholen. Dafür sind mehrere Strandabschnitte naturbelassen, fast wild. Die Badegäste sind ausgeblieben und haben so auch weniger Müll hinterlassen. Fischbestände haben sich erholt, die Fährverbindungen waren für einige Wochen eingestellt. Sogar Delphine und Wale wurden nach langer Zeit wieder gesichtet.

Was bedeutet das für uns Individualreisende?

Ich sehe uns zu viert an einer kleinen Bucht in Portugal auf unseren Boards im Meer sitzen, ausser uns zwei einheimische Surfer, die Sonne scheint und wir freuen uns schon auf den gegrillten Fisch und einen Drink nach dem Sunset. Genau an diesem Ort haben wir im August 2019 keinen Stellplatz bekommen. Der Platz musste schließen, die Gegend war so lange in Quarantäne, dass geschlossen werden musste. Übrig geblieben sind die Grillplätze und Sanitäranlagen, die jetzt von der Regierung instand gehalten werden bis sich ein neuer Pächter findet. Alle, die ein Reisemobil besitzen, sind unabhängig von den vielen, pleite gegangenen Reiseunternehmen, Vermietern und touristischen Angeboten. Wir sind dankbar, wenn wir einen schönen Platz finden, und ein paar Tage in der Natur verbringen zu dürfen. Nehmen unseren Müll mit und haben Küche und Hotelzimmer immer mit dabei. Städte- und Kulturtrips bieten meist Stellplätze, die einen Fußmarsch von den Sehenswürdigkeiten entfernt sind, ein klarer Vorteil. Wir gehen gerne in Restaurants, kaufen vor Ort ein und nehmen touristische Angebote wahr. Dadurch sind wir allerdings Menschen, die die Wirtschaft vor Ort nur zu einem Bruchteil unterstützen. Die touristische Infrastruktur muss sich dringend erholen, Hotels, Pensionen und der Aktionstourismus wieder voll in Gang kommen.

Offenheit und Rücksicht verbindet die Menschen

Wirklich schade ist, dass so viele kleine Läden schließen mussten. Die Ketten, wie H&M und Lush lassen die Individualität jeder Stadt schrumpfen. Dafür öffnen langsam wieder neue Geschäfte, meist Läden, die Handwerkskunst und selbstgemachte Produkte, Bio-Obst- und -Gemüse verkaufen. Der Tante-Emma-Laden bekommt wieder seinen Stellenwert. Die Menschen schätzen die persönliche Beratung, nach der Zeit des Ausgangsverbots und der Quarantäne. Man kommuniziert offen und herzlich über ein alltägliches Thema, ist dankbar für ein gutes Gespräch.
Eine Umarmung und Berührung des Gegenübers wird anders geschätzt, aber auch Abstand nehmen neu bewertet und respektiert.
Sprache ist keine Barriere, man zeigt was man liebt und ist glücklich gesund zu sein. Die Menschen auf der ganzen Welt verbindet ein Wandel der Geschichte – ein Virus, der große Veränderungen mit sich gebracht hat. Er hat isoliert und verbunden, er hat uns gezeigt disziplinierter zu handeln und auf Vieles zu verzichten. Während dieser Zeit war ein klarer Blick in den Himmel möglich und die Meere durften sich kurz etwas erholen. Eine neue Arbeitskultur und technische Möglichkeiten wurden geschaffen um flexibler zu Kommunizieren.

Die Szenarien kann jeder auf seine Weise weiterspinnen. Das Leben, mit seinen Veränderungen und dem Wandel der Zeit, wird eine nie endende Reise sein. Das menschliche Bedürfnis unsere Welt zu entdecken und zu verändern, wird nie enden und ich hoffe dass jeder seine eigene Lehre aus der Krise ziehen kann.

Diese Folgerung, aus dem Artikel von Matthias Horx im Magazin Wiener, hat mich nachhaltig beeindruckt:
„Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Bleibt gesund, weitsichtig und positiv!

Hilfreiche Links zum Thema:
Auswertiges Amt
Travelbook
Die Welt nach Corona / Wiener


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